Aus den Volksbanken Offenburg und Achern wird schon bald die "Volksbank in der Ortenau"

17.03.2016 Badische Zeitung

Von Hubert Röderer. Offenburg. Die Weichen sind gestellt: Stimmen die beiden Vertreterversammlungen im Juni zu, und davon ist auszugehen, dann werden die selbständigen Volksbanken Offenburg und Achern zur neuen „Volksbank in der Ortenau" verschmelzen, und zwar rückwirkend zum 1. Januar. Vorstände und Aufsichtsräte sind vom Sinn der Fusion restlos überzeugt. Vorstandssprecher wird Markus Dauber aus Offenburg. Zumindest in den kommenden zwei Jahren soll es keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Auch an Filialschließungen ist in absehbarer Zeit nicht gedacht. „Wir werden eine neue Bank gründen", sagte der Offenburger Aufsichtsratschef Karl-Hans Petersen-Fritz am Mittwoch vor der Presse, „und ich sehe auch überhaupt keinen Grund, dies nicht zu tun." Ähnliches sagten sein Acherner Kollege Arno Haiss wie auch die beiden bisherigen Vorstandschefs, Markus Dauber von der Volksbank Offenburg — übernehmende Genossenschaft — und Clemens Fritz aus Achern. Es gebe ausschließlich Gewinner: „die Kunden". Bei den Fusionsgesprächen sei auch ganz stark auf die persönlichen Belange der Mitarbeiter Rücksicht genommen worden. Mag sein, dass nach den angestrebten strukturellen und technischen Veränderungen an einem der zusammen 39 Beratungs- und Service-Standorte (Offenburg 29, Achern 17) der eine oder andere Mitarbeiter zehn Kilometer weiter zu seinem Arbeitsplatz wird fahren müssen. Doch zumindest in den beiden kommenden Jahren, so Acherns bisheriger Vorstandschef Clemens Fritz, werde es keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Bei persönlich bedingtem Ausscheiden von Mitarbeitern, etwa durch Wegzug oder bei Erreichen der Altersgrenze, werde man natürlich genau prüfen, ob eine Stelle nochmals besetzt werde. Derzeit seien bei beiden Instituten zusammen 511 Mitarbeiter beschäftigt. Vorstandsmitglieder bleiben Markus Dauber (47), seit Januar 2013 Offenburger Vorstandssprecher, und Andreas Herz (46) auf der einen Seite, sowie Clemens Fritz (54) und Günter Quicker (62) auf Seiten Acherns. Dauber wird Vorstandssprecher der neuen „Volksbank in der Ortenau", die in so ziemlich allen Kategorien etwa um die Hälfte - oder noch mehr - größer sein wird als die bisherige Volksbank Offenburg. So steigt mit der Verschmelzung, von Offenburger Sicht aus gesehen, die Mitgliederzahl von 39 967 auf 59 148, die Bilanzsumme von 1,7 auf 2,7 Milliarden Euro oder das Kundenanlagevermögen von 2,085 auf 3,364 Milliarden Euro. Und die Zahl der Kunden steigt auf zusammen rund 125 000. Die neue, große „Volksbank in der Ortenau" wird nach Angaben von Markus Dauber und Clemens Fritz künftig entlang der Rheinschiene zwischen Mannheim und Freiburg zur größten Genossenschaftsbank aufsteigen. Die aktuelle Fusion werde bundesweit bei weitem nicht die einzige bleiben: Nach 30 Fusionen 2014 und 26 Fusionen 2015 seien für das laufende Jahr rund 60 Fusionen angemeldet, für 2017 und 2018 dürfte die Zahl sogar deutlich darüber liegen. „Wir sind jedenfalls zutiefst überzeugt", sagte Clemens Fritz, „dass wir gemeinsam unsere Position als Genossenschaftsbank deutlich stärken können." Und was spricht nun im Detail für die Verschmelzung? Man könne, heißt es, mittelfristig Doppelstrukturen beseitigen („Synergieeffekte"), die Investitionen in die Technik würden preisgünstiger. Außerdem werde man den Größenvorteil bei der Kreditvergabe nutzen können, was helfe, „das Wachstum der Unternehmen in der Ortenau besser zu begleiten". Vertreterversammlungen haben das letzte Wort. Dem neuen Aufsichtsratsgremium werden 18 Personen angehören, elf aus Offenburg und sieben aus Achern. Der Vorstand wird nach dem altersbedingten Ausscheiden von Günter Quicker aus Achern, spätestens 2017, aus lediglich drei Mitgliedern bestehen. Der Vertreterversammlung sollen fortan rund 1200 Mitglieder angehören. Die derzeit noch bestehenden Versammlungen sollen im Juni jeweils die Fusionsbestrebungen offiziell absegnen — und zwar rückwirkend zum Jahresbeginn. Ob es mittelfristig sogar zu einer Ortenauer Gesamt-Volksbank kommen wird? Vorstandschef Dauber gibt sich ganz diplomatisch: „Da wage ich keine Prognose."

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