Netzwerker auf dem Platz und bei der WRO

26.06.2016 Guller

Manfred Hammes geht am Donnerstag in den Ruhestand

Offenburg. 17 Einwohner hat die südfranzösische Gemeinde Vers-Pont-du-Gard. Dort werde er erstmals sechs Wochen am Stück Urlaub verbringen — vielleicht würden es auch ein paar Tage mehr. Manfred Hammes wird 67 Jahre alt und geht in Ruhestand. Agil wie zu Beginn vor elf Jahren leitet er bis zuletzt die Geschäfte der Wirtschaftsregion Offenburg/Ortenau (WRO). Damit soll Schluss sein— am Donnerstag ist seine Verabschiedung mit rund 300 Gästen. Als „Agentur für Standortmarketing und Öffentlichkeitsarbeit der Region" versteht sich die WRO. Bestandsentwicklung regionaler Unternehmen, Existenzgründer und den Austausch zwischen Politik und Wirtschaft zu fördern, sind Schwerpunkte der Arbeit. Die Zahlen beweisen es, dass dies Hammes in einzigartiger Art gelungen ist: Anfangs hatte die WRO 14 kommunale Gesellschafter, heute sind es 53. Waren vor elf Jahren 17 Unternehmen Mitglied, sind es heute 160. Das Netzwerk funktioniert inzwischen. „Ich habe im Zweifel vorgerechnet, dass im Falle eines Engagemnts die Beteiligten mehr rausziehen als sie einzahlen", erklärt Hammes nüchtern. Die WRO war die zweite Station von Manfred Hammes in Offenburg. Zuvor war er bereits sechs Jahre für den Reiff-Verlag tätig. Dazwischen war die Medien-Union sein Arbeitgeber. Der berufliche Einstieg erfolgte nach einem Jura-Studium in Köln bei einem juristischen Fachverlag. Aufgewachsen ist Hammes in Trier. Es folgte noch Heidelberg als Station. „So wenig waren es - nur", kommt Hammes ins Grübeln beim Rückblick. Mit 1,88 Meter hat Hammes das sogenannte Gardemaß. Dies hat er in den 1970er-Jahren auch entsprechend eingesetzt. Er spielte für Köln in der damals höchsten deutschen Basketballliga. Der Spielaufbau war seine Position auf dem Platz, sozusagen musste er das Netzwerk der verschiedenen Position am Laufen halten. Das erinnert wieder an seine WRO-Funktion. Gescheitert ist er mit dem Versuch, eine große Einkaufsgemeinschaft aller Ortenauer Kommunen einzurichten, um etwa den Bürobedarf der Verwaltungen in den Rathäusern kostengünstiger abzudecken. Das hat nicht geklappt. „Vielleicht gibt es da auch historische Verbundenheiten einzelner und daher Vorbehalte", spekuliert Hammes. Dass aber eine Menge Geld gespart werden könne, dessen ist er sich sicher. Wein, Reiseführer und die Provence Seine Verbundenheit mit Frankreich kam, wie in vielen anderen Fällen auch, durch Studienfahrten während der Schulzeit nach Arles in der Camargue im Süden Frankreichs. Endgültig hat es ihn in diese Region gezogen durch die Partnerschaft Schriesheims bei Heidelberg. Uzès liegt nur wenige Kilometer weiter nördlich als Vers-Pont-du Gard. Als er, seine Frau Petra, Grundschullehrerin in Lahr, und ihre heute erwachsenen drei Kinder ihr Domizil dort einrichteten, wohnten noch ein paar Menschen mehr dort. Für 17 Einwohner lohne es sich nicht mehr für den Crémier, den Ort anzufahren und wöchentlich mit Milchprodukten zu versorgen. „Wenn meine Frau und ich morgens ein frisches Baguette wollen, müssen wir 15 Kilometer bis zum Bäcker fahren", berichtet er über die Einsamkeit dort zwischen Avignon und Nimes. Wein könne er sich auch vorstellen anzubauen, macht Hammes vage Zukunftspläne. Chardonnay oder Merlot würden ihn auf dem einen Hektar reizen. „Auch wenn ich bisher wenig Ahnung über den Ausbau der Weine habe", erzählt Hammes schmunzelnd. Sicher ist, dass er Reiseführer (www.lustaufprovence.de) und Drehbücher schreiben wird. Umgesetzt würden diese Drehbücher über Restaurants, ihre Köche und Ausflugsziele von regionalen Fernsehteams und sie kämen offensichtlich gut an. „Nicht weil mein Französisch so gut ist, aber ich gehe einfach auf die Leute zu und bringe sie zum Erzählen", freut er sich, dies wieder verstärkt in Angriff zu nehmen. Aber auch für die Ortenau hat er noch Aufgaben. Er will hiesige Unternehmen und elsässische Jugendliche zusammen bringen. Oft scheitert es noch, dass sie zusammenfinden, weil in Frankreich viele Eltern Vorbehalte gegen die deutsche duale Ausbildung haben. Hier will auch der Filmemacher Hammes ansetzen, um für Nachbarschaft zu werben. Denn für ihn ist klar: „Straßburg und Kehl sind wie eine Stadt, nur ein anderes Land, verbunden durch den Rhein."


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