„Wir bilden ein starkes Netzwerk“

16.04.2017 Badische Zeitung

Vor einem Dreivierteljahr hat Dominik Fehringer das Amt als Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Ortenau (WRO) angetreten. Er wurde Nachfolger von Manfred Hammes, der nach elf erfolgreichen Jahren in den Ruhestand verabschiedet wurde. Jetzt zieht Fehringer, der an diesem Samstag 40 Jahre alt wird, im Gespräch mit unserem Redakteur Hubert Röderer eine erste Bilanz.

BZ: Ein Arbeitsmarkt mit fast Vollbeschäftigung – den Firmen geht es meist gut bis sehr gut, auch den Beschäftigten. Das war in den vergangenen 29 Jahren, da es die WRO gibt, schon anders. Warum hat die WRO trotzdem nach wie vor ihre Daseinsberechtigung?

Fehringer: Die Gründe sind mannigfaltig. Wir bilden ein starkes Netzwerk nach innen und bringen die politischen Mandatsträger mit den Entscheidern aus der Wirtschaft zusammen. Das ist auf regionaler Ebene ungemein sinnvoll. Auch im Außenverhältnis lohnt sich die WRO für ihre Mitglieder. Über gemeinsame Messeauftritte erzeugen wir starke Synergieeffekte. Wir unterstützen Unternehmen mit Veranstaltungen zu interessanten Themen. Wir bewerben Gewerbeimmobilien und unterstützen Investoren. Nicht zuletzt sind wir aufgrund des starken Netzwerks in Sachen Existenzgründung der richtige Partner.

BZ: Die WRO hat auf ihrem ureigenen Gebiet offenbar keine Konkurrenz.

Fehringer: Das stimmt. Wir sind die einzige Institution im Ortenaukreis, die dieses Portfolio hat. Ich kenne allerdings auch keine andere Region, wo das anders ist.

BZ: Städte und Gemeinden sind WRO- Mitglieder, auch Unternehmen. Sind Sie mit der Mitgliederzahl zufrieden?

Fehringer: Und wie! 53 Städte und Gemeinden sind uns angeschlossen, plus Ortenaukreis, IHK und Handwerkskammer, außerdem 160 Unternehmen, zehn mehr als 2016. Für die Aufnahme in den Wirtschaftsbeirat existiert eine lange Warteliste. Vom Vorstand des Wirtschaftsbeirates werden pro Jahr aber nur fünf bis zehn aufgenommen.

BZ: Warum nicht alle Interessenten?

Fehringer: Damit wir die Integration in solch einem großen Netzwerk vernünftig erbringen können.

BZ: 53 Städte und Gemeinden sind dabei. Da der Ortenaukreis lediglich 51 hat, offenbar auch zwei von außerhalb.

Fehringer: Es sind sogar drei: die Stadt Bühl sowie Bad Rippoldsau-Schapbach und Schiltach. Dafür ist das Gründungsmitglied Rheinau längst nicht mehr dabei. Es ist derzeit kein definiertes Ziel, die Gesellschafterbasis zu erweitern.

BZ: Ein Dreivierteljahr im Amt: Sie konnten schon Erfahrungen sammeln?

Fehringer: Sehr viele sogar. Es gibt jede Menge Veränderungen. Das darf man nicht missverstehen, so was gehört zu einem Generationswechsel dazu. Manfred Hammes hat die WRO sehr positiv weiterentwickelt. Nun gilt es, dies fortzusetzen. Die zahlreichen Impulse, die wir von den Gesellschaftern und aus unseren Mitgliedsunternehmen für die operative Arbeit bekommen, sind hier sehr wertvoll.

BZ: Negative Erfahrungen bleiben in so einem Job gewöhnlich auch nichts aus.

Fehringer: Habe ich keine gemacht.

BZ: Welche Veränderungen genau haben Sie vorgenommen?

Fehringer: Zum einen haben wir die internen Aufgaben neu verteilt, jeder arbeitet nach seinen Stärken. Damit ist nicht gemeint, dass unliebsame Tätigkeiten an Kollegen weitergereicht werden. Mir geht es darum, dass jeder im Team seine Stärken einbringen und an den Aufgaben wachsen kann. Wir haben im Vergleich zu anderen Wirtschaftsfördergesellschaften den niedrigsten Personalschlüssel. Damit sind wir aber kein Stück weniger effizient. Gleich nach dem Wechsel haben wir das papierlose Büro eingeführt und kräftig digitalisiert. Diesen Weg gehen wir konsequent weiter.

BZ: Derzeitiger Arbeitsschwerpunkt?

Fehringer: Die Koordinierung unserer vielen Aktivitäten im Standortmarketing. Hinzu kommen ganz aktuell auch Herausforderungen bei der Digitalisierung unserer Arbeit, insbesondere der Prozesse. Unsere 40 000 Kontakte haben wir digital mit unseren Projekten, Terminen und der Kommunikation verknüpft. Das hilft uns sehr, denn immerhin organisieren wir jährlich rund 50 Veranstaltungen.

BZ: Und was ist das Gute daran?

Fehringer: Nehmen wir das Veranstaltungsmanagement. Dort haben wir den kompletten Workflow digitalisiert. Bislang brauchten wir für Einladungen eine Agentur für die Flyer, dann musste dieser gedruckt und mit der Post versandt werden. Ein enormer Kostendruck, man denke nur an das Versenden der Einladungen an mehrere tausend Adressen. Durch die Umstellung auf digitale Information und Einladung per E-Mail sind pro Jahr mehrere zehntausend Euro Einsparvolumen drin, die wir in dringend benötigtes Standortmarketing investieren können. Neben dem finanziellen Aspekt sparen wir unsere wichtigste Ressource: Zeit. Der digitale Rücklauf auf die Einladungen vereinfacht uns den Alltag. Bislang gab es mehrere Kanäle, in denen Anmeldungen eingingen: E-Mail, Telefon, Fax und per Zuruf – eine Systematik mit hoher Fehleranfälligkeit. Das hat sich geändert.

BZ: Worin besteht Ihre Haupttätigkeit?

Fehringer: In Netzwerkpflege, Messeauftritten – europaweit 15 –, in Veranstaltungsmanagement, Projektentwicklung, Organisation, Führung und Digitalisierung.

BZ: Wir nennen im Folgenden einige Schlagwörter: Ihre Meinung zur Autobahn A 5?

Fehringer: Der Ausbau ab Offenburg in Richtung Süden ist dringend notwendig. Lieber bereits ab 2018 als ab 2030.

BZ:
Ausbau der B 33 durchs Kinzigtal.

Fehringer: Wir freuen uns, dass wir den mehrspurigen Ausbau mit unserer Arbeit in den vergangenen Jahren tatkräftig unterstützen konnten.

BZ: Neue Rheinbrücke bei Ottenheim.

Fehringer: Wir haben im operativen Geschäft sehr viel Kontakt mit unseren französischen Freunden und wissen daher um die zentrale Bedeutung des Zugangs über den Rhein. Der Warenverkehr in Europa erfordert natürlich auch eine entsprechende Infrastruktur.

BZ: Die neue Tram Straßburg-Kehl.

Fehringer: Die Städte Straßburg und Kehl wachsen noch enger zusammen. Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung. Die Tram trägt mit Sicherheit auch dazu bei, dass der grenzüberschreitende Austausch für Arbeitnehmer erleichtert wird.

BZ:
Grenzüberschreitender Arbeitsmarkt.

Fehringer: Hat für die Ortenau eine zentrale Funktion, weil wir im Elsass Fachkräfte gewinnen können, die uns hier fehlen. Ene Ansiedelung wie Zalando in Lahr wäre ohne den Zugriff auf den französischen Markt nicht möglich gewesen.

BZ: Flüchtlinge und Arbeitsmarkt.

Fehringer: Für die WRO ist das Flüchtlingsthema noch nicht relevant, weil zunächst grundsätzliche Kompetenzen vermittelt werden müssen, etwa Alphabetisierung, Erlernen der Sprache, Vermittlung kulturell-sozialer Kompetenzen.

BZ: E-Commerce.

Fehringer: Unter dem Dach der WRO wurde im vergangenen Jahr die E-Commerce-Region Ortenau gegründet. Die starken Unternehmen tauschen Know-how aus, um auf dem digitalen Markt von morgen eine führende Rolle einnehmen zu können.

BZ: Die Bedeutung von Messen für den Standort Ortenau.

Fehringer: Messeauftritte sind ein Herzstück unserer crossmedialen Kampagnen. Im Besonderen gilt dies für die Gewinnung von Fachkräften. Wichtig sind aber auch touristische Messen, mit denen wir den kleineren und touristisch geprägten Gesellschaftern einen echten Mehrwert bieten. Gerade der Tourismus erfreut sich bei uns seit Jahren zunehmender Beliebtheit. Die Ortenau hat seit Jahren steigende Wachstumsraten bei Übernachtungen und Umsätzen. Gemeinsam mit der Eurometropole Straßburg sind wir auch auf Investoren- und Gewerbeimmobilien-Messen präsent.

BZ: Weinbau.

Fehringer: Die Winzergenossenschaften in der Region sind im Wirtschaftsbeirat der WRO vertreten. Der Weinbau in der Ortenau ist ein prägendes wirtschaftliches und touristisches Element.

BZ: Eurodistrikt Straßburg/Ortenau.

Fehringer: Für uns im Zusammenspiel mit Straßburg ein wichtiger Partner zur Bewerbung von Gewerbeimmobilien.

BZ: Existenzgründung?

Fehringer: Ein hochspannendes Thema, das wir zu Beginn des Jahres übernehmen konnten. Dafür wurde bei der WRO zum ersten Mal seit 20 Jahren eine neue Stelle geschaffen. Ein Bereichsleiter entwickelt die Marke Start.up.connect!: Existenzgründer erhalten Zugriff auf das Netzwerk der WRO und kommen mit vielen spannenden Unternehmen in Kontakt. Damit vernetzen wir die bestehenden Technologieparks in der Region – TPO Offenburg, BITZ in Bühl, ZIG in Hornberg – und auch zahlreiche private Start-up-Initiativen. Es wird, um die Gründerszene zu etablieren, ein monatliches Treffen geben im neuen Brauwerk Baden in Offenburg. Außerdem wird an der Hochschule Offenburg, mit der uns zahlreiche Aktivitäten verbinden, ab Wintersemester ein Wahlpflichtfach angeboten, das sich speziell mit Unternehmertum befasst. Die Ausbildung ist auch für Externe offen.

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