„Leuchtturmprojekte sind wichtig“

9.10.2017 Badische Zeitung

Minister Guido Wolf sprach auf Einladung der WRO über die Entwicklung des Tourismus im Land und in der Ortenau

OFFENBURG. Minister Guido Wolf hat dem Ortenaukreis bescheinigt, in Sachen Tourismus „nicht schlecht“ abzuschneiden. Was in der Konsequenz bedeute, dass trotz der positiven Entwicklung der vergangenen Jahre noch Luft nach oben ist. Letztlich sei die Region aufgerufen, sich nach außen hin als Teil der großen, populären Dachmarke „Schwarzwald“ zu präsentieren. Mit kleinteiligem Marketing, auf ein Tal oder gar einen Ort beschränkt, ließen sich kaum ausländische Touristen locken. Wichtig sei auch die Schaffung von „Leuchttürmen“.
„Wenn wir über Tourismus reden und darüber, was alles noch besser werden muss, dann darüber, dass die Infrastruktur besser werden muss“: Verstopfte Straßen sei für Touristen keine Verlockung. Guido Wolf sprach aus eigener leidvoller Erfahrung: Er kam mit 30-minütiger Verspätung zu dem von der Wirtschaftsregion Ortenau (WRO) auf der Oberrheinmesse veranstalteten „Kommunaltag“. Ansonsten fänden Touristen in der Region, insbesondere in der Ortenau, eine Unmenge an Vorteilen vor, wie WRO-Aufsichtsratschef Thorsten Erny beteuerte, etwa „Sicherheit, Sauberkeit und Schwarzwald-Idylle“.
Guido Wolf unterstrich das zu hundert Prozent, fügte weitere Parameter hinzu: landschaftliche Reize, exzellente Küche, warmes Klima, prämierte Weine und Biere, die Nähe zu Straßburg – lauter Dinge, die geeignet seien, neue Kundschaft in der Bundesrepublik wie auch im Ausland zu gewinnen. Zumal viele über Jahre hinweg brummende Ferienziele, etwa in der Türkei, doch unter der politischen Großwetterlage leiden und Feriengäste in großer Zahl an Destinationen etwa auf Mallorca oder auf dem mittel- und südeuropäischen Festland verloren haben. Doch wenig sinnvoll sei, und da sprach Wolf für alle Ferienregionen im Ländle, dass beim Buhlen um internationale Kunden jede für sich werbe. Wichtig sei, als größere Einheit aufzutreten. Der Chinese interessiere sich vordergründig für den „Black Forest“ und nicht für den Süd-, Mittel- oder Nordschwarzwald. Eindringlich Wolfs Appell an die regionalen Touristiker, „sich zusammenzuraufen“. Ebenso wichtig: Will eine Region bekannt werden, müsse sie „Leuchtturmprojekte“ schaffen. Die Ortenau habe bereits welche, etwa den Europa-Park oder das Freilichtmuseum Vogtsbauernhof, eine noch größere Zahl könne der Sache nur dienen. Mit etwas Glück profitierten nicht nur die Leuchtturm-Eigner selbst, sondern auch die nähere Region. Sommer- oder Wintersport-Events im Schwarzwald: Die Interessierten kämen nicht nur, um zu gucken, sondern auch um kulinarisch zu genießen, um zu übernachten. Nicht nur die 5-Sterne-Tempel im Schwarzwald profitierten von einem weiter positiven Tourismus, auch das Dorfgasthaus und kleine Pensionen.
Der Tourismus, und da sprach Wolf auch Landrat Frank Scherer in dessen Funktion als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Schwarzwald Tourismus GmbH aus dem Herzen, habe längst sein wirtschaftliches Nischendasein im Ländle verlassen: „Inzwischen haben wir mehr sozialversicherungspflichtig Beschäftigte als der Fahrzeugbau.“ Die Tourismusbranche weise 326 500 Vollarbeitsplätze aus. Die Beherbergungsbetriebe hätten im vergangenen Jahr 21 Millionen Gäste und 52 Millionen Übernachtungen ausgewiesen. Zum Vergleich 2016 wurden im Ortenaukreis 3,58 Millionen Übernachtungen registriert – gegenüber 2015 ein Plus von 75 000 Übernachtungen. Wolf riet auch, die Angebote beim Erlebnis-, Städte-, Geschäftskunden- und Gesundheitstourismus auszubauen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer sei vor 40 Jahren im Ländle mit 5,1 Tagen mehr als doppelt so hoch gewesen wie heute. Dafür kämen viele Gäste häufiger. Erny gab Minister Wolf die Bitte mit auf den Nachhauseweg, beim Baurecht Lockerungen zuzulassen: „Ich denke dabei an das Übernachten in einem Weinfass oder in einem Tipi.“ Das brächte manchem Landwirt noch mehr Mut, sich den Tourismus als weiteres Standbein zuzulegen.

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