Hackathon fordert junge IT-Entwickler

11.10.2017 Badische Zeitung

Expertenjury prämiert drei Neuentwicklungen zum Thema Digitaler Assistent

OFFENBURG. Im Technologiepark Offenburg (TPO) ist am Wochenende der erste „Black Forest Hackathon“ veranstaltet worden. Der als Team-Event angelegte Wettbewerb war ein Gemeinschaftswerk der Wirtschaftsregion Ortenau (WRO), der Hochschule Offenburg und der Sevenit GmbH. Elf Teams entwickelten unter Zeitdruck Anwendungen zum Thema Smart Assistant und präsentierten zum Abschluss ihre Prototypen. Den ersten Preis gewann eine App für alleinwohnende Senioren und Menschen mit Handicap. „Hetti“ soll den Notruf selbständig auslösen, wenn der Betroffene dazu nicht mehr in der Lage ist.
Aus „Hack“ und „Marathon“ wird Hackathon, ein in der IT-Entwicklerszene gebräuchliches Event-Format. Ziel war im vorliegenden Fall nicht allein die Entwicklung neuer Produkte. Vielmehr ging es um Networking: Kontakte sind die Katalysatoren des Erfolgs. Der Gedanke steckt schon in der Benennung von „Start.Up.Connect“, der Gründerinitiative der WRO. Potentielle Gründer knüpfen Verbindungen zu Investoren, Mentoren, Kunden, Produzenten. Sie werden mit öffentlichen Förderprogrammen vertraut. Und nicht zuletzt kommen teamübergreifend junge Entwickler unterschiedlicher Fachrichtung und Begabung zusammen, wodurch sich nicht selten neue, effektivere Konstellationen ergeben. Hinter all dem steht das in der WRO gebündelte Bestreben des Ortenaukreises und regionaler Unternehmen, die Ortenau als innovativen Standort voranzubringen.
Florian Appel, Bereichsleiter Existenzgründung der WRO und verantwortlicher Ausrichter des Hackathons, stellt es so dar: „Die WRO wird von allen 53 Kommunen getragen. Im Wirtschaftsbeirat sitzen mehr als 20 Geschäftsführer und Vorstände führender Unternehmen. Da können sich für ein Start-up Türen öffnen.“ Im November startet der „Black Forest Accelerator“, ein Förderprogramm speziell für Nebenerwerbsgründungen. Mit dem Ziel, innerhalb von sechs Monaten ein tragfähiges Geschäftsmodell aufzubauen, werden die Teilnehmer von Experten geschult, zu Themen wie Finanzierung und Vertrieb. Sogenannte „Business Angels“ – etwa: Geschäftsengel – stehen den oft unerfahrenen Jungunternehmern als Mentoren zur Seite. Florian Appel: „Die Anmeldegebühr von 450 Euro wird den Gewinnerteams des Hackathon erlassen. Zusätzlich bekommen sie ein halbes Jahr Räumlichkeiten bei uns im Technologiepark gestellt.“
Sprint trifft es eher als Marathon, was der Hackathon den jungen Entwicklern abverlangte. Von vergangenen Freitag, 21 Uhr, bis Sonntag, 12 Uhr, hatten sie für die Programmierung („Coding“) einer in Grundzügen funktionsreifen App Zeit. Allen elf Teams ist das gelungen. Viele haben dafür die Nächte durchgearbeitet, wie Alexander Sperka und sein Team „Hetti“. „Heute Nacht haben wir noch den Lötkolben geschwungen“, berichtet der 22-jährige Student an der Hochschule Offenburg. Das Ding an seinem Handgelenk hat noch die Ausmaße einer Spielkartenschachtel und blinkt rot. Das serienreife Produkt soll so smart sein wie ein heute gängiges Notfallarmband.
Im Gegensatz zu diesem soll es auch dann funktionieren, wenn der Träger außerstande ist, den Taster zu berühren, zum Beispiel nach einem Sturz, bei Bewusstlosigkeit oder einem Schlaganfall. Dazu übermitteln Sensoren Daten an ein virtuelles neuronales Netz, das eine Notfallsituation erkennt und rückmeldet. Die App löst dann den Alarm aus. Die Sturzerkennung hat bei der Präsentation schon mal funktioniert. Alexander Sperka ließ sich dafür in einen „Fatboy“ (Liegesack) fallen. Der ambitionierte Zweck, im Zweifel Leben zu retten, tat ein Übriges, um die Jury zu überzeugen. Der Preis: 1000 Euro, gestiftet von der Volksbank in der Ortenau.
Platz zwei, von Sevenit mit 750 Euro dotiert, ging an das Team „Marie“. Das ist ein City-Assistant und hilft einem, wenn man umgezogen ist. Was ist da nicht alles zu tun: Einwohnermeldeamt, Telefonanschluss, Stromversorger und so weiter. „Marie“ unterstützt beim „Wer, wo, was, wann?“ Man trägt sie auf dem Smartphone bei sich und kann mit ihr sprechen. Auf den dritten Platz schaffte es das Team „Nachhilfe“, das ein sprachbasiertes „Skill“ (Funktionserweiterung) für „Alexa“ präsentierte. „Alexa“ hilft bei den Hausarbeiten, stellt Rechenaufgaben, fragt Erdkunde ab, liest Diktate vor. Die geplante E-Mail-Benachrichtigung an die Eltern, wenn die Hausaufgaben fertig sind, erntete Lacher. 500 Euro stiftete Die Firma Schrempp EDV. Durch die Veranstaltung führte Professor Stephan Trahasch von der Hochschule Offenburg. Der Termin für den zweiten Black Forest Hackathon steht bereits fest: 12. bis 14. Oktober 2018.

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