Duales Studium war gestern

30.01.2018 Mittelbadische Presse

In zehn Semestern sollen Schulabsolventen sowohl eine Ausbildung als auch ein Studium abschließen. Für ein sogenanntes Kombi-Studium haben sich die Fachinnung Metall Ortenau, die Kreishandwerkerschaft und Alfred Isele, Professor an der Hochschule Offenburg, stark gemacht.


Offenburg. Viereinhalb Jahre dauert das sogenannte Kombi-Studium, das eine Ausbildung und ein Studium miteinander vereint. Der Unterschied zu einem dualen Studium liegt laut Alfred Isele, Dekan der Fakultät Maschinenbau und Verfahrenstechnik an der Offenburger Hochschule, in einem zusätzlichen Erwerb eines Berufsabschlusses. Vergangenen Donnerstag hat der Professor einigen Vertretern von Ortenauer Unternehmen versucht, das Konzept des Kombi-Studiums näherzubringen. "Als ich 16 Jahre alt war, hatte ich mehr Kontakt zur Technik als die meisten Jugendlichen heute. Das Kombi-Studium bietet den Jugendlichen die Möglichkeit, ein Gespür für handwerkliche Sachen zu bekommen", sagte Isele. Das Konzept der Ausbildung sieht eine Praxisphase vor, die der Auszubildende in einem Unternehmen verbringt sowie eine theoretische Phase an der Hochschule in Offenburg. Das Kombi-Studium beginnt mit einem Jahr der Berufsausbildung. Motivierte Jugendliche "In größeren Unternehmen hat es sich bereits bewährt. Von 50 jungen Menschen, die in einer Firma in Bühl begonnen haben, hat nur eine Person das Studium abgebrochen, und das aus familiären Gründen. Trotz der Doppelbelastung sind die Jugendlichen sehr motiviert", erklärt Isele den anwesenden Unternehmern. Gerade im technischen Bereich sei die Abbruchquote an Hochschulen sehr hoch. Mit dieser Kombination soll dies verhindert werden. Für kleinere Unternehmen stellt das Kombi-Studium bislang wegen fehlender Auszubildenden eine Herausforderung dar. Aus diesem Grund möchte Isele die Auszubildenden mehrerer Ortenauer Unternehmen in einem Jahrgang zusammenfassen und so den Jugendlichen die Möglichkeit eines solchen Studiums auch in kleineren Firmen bieten. "Bis wir eine eigene Klasse für beispielsweise Heizungstechnik und eine eigene Klasse für Mechatroniker bilden können, dauert es wahrscheinlich noch." Aus diesem Grund wolle Isele eine Schnittmenge dieser Ausbildungen finden und so die Lerninhalte kombinieren. Die Aufgabe der Unternehmen sei es, die Jugendlichen in spezifischen Inhalten zu schulen und die normalen Ausbildungsinhalte abzudecken. Die Resonanz der Firmenvertreter auf das Ausbildungssystem war meist positiv. Es sei wichtig, neben der Ausbildung auch eine weitere Qualifizierung anzubieten, da die Firmen immer wieder nach Fachkräften suchen. Für das Unternehmen bietet ein Kombi-Studium die frühe Einbindung des Studenten und die Ausbildung eines qualifizierten Mitarbeiters, der später eine höhere Funktion einnehmen kann. Den Absolventen spart es vorallem Zeit, da eine Ausbildung und ein anschließendes Studiumin der Regel über sechs Jahren dauern. Richtige Bewerber Voraussetzung für die Umsetzung ist laut Isele das Interesse der Firmen. Viele stellten sich jedoch die Frage, wie die richtigen Bewerber gefunden werden. "Es ist natürlich klar, dass hier die Werbetrommel gerührt werden muss. Bereits in den Schulen müssen die Jugendlichen erfahren, dass es dieses Angebot gibt und auch, welche Firmen es anbieten", sagte Isele. In einem weiteren Treffen an der Hochschule in Offenburg sollen weitere Pläne zum genauen Ablauf geschmiedet werden, damit bereits dieses Jahr für Jugendliche die Möglichkeit besteht, ein Kombi-Studium zu beginnen.

Hintergrund - Abitur ist Voraussetzung
Absolventen eines Kombi-Studiums erhalten nach zehn Semestern eine Doppelqualifikation. In viereinhalb Jahren soll den Absolventen theoretisches und praktisches Wissen vermittelt werden. Neben der Hochschule besuchen die Studenten auch die Berufsschule. "Die Produktion ist in einem Studium oft nur stiefmütterlich vertreten", sagt Johannes Vinke, Professor an der Hochschule in Offenburg. Voraussetzung für Bewerber sei die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife oder eine Fachhochschulreife über ein Berufskolleg. Während des gesamten Studiums erhalten die Auszubildenden eine Vergütung. sk

zurück zu Presse