Ein Funknetz für Datenströme

29.03.2018 Badische Zeitung

FREIBURG. Der Energieversorger Badenova hat am Mittwoch ein Funknetz präsentiert, um Freiburg für die digitale Zukunft zu rüsten. Die Technologie Long Range Wide Area Networks (Lo- RaWAN) kann Daten von Sensoren auf große Entfernungen übertragen. So sollen Kanalschächte besser geprüft, Zähler einfacher gelesen und Müllcontainer effizienter geleert werden. Im parallel zum Badenova-Netz betriebenen Bürgernetz nutzen Freiburger das System bereits für Wetterstationen oder zur Messung von Feinstaub.

„Wir sind nicht Shanghai, Peking oder Mexico City. Aber immerhin bald eine Smart City“, sagt Thorsten Radensleben. Für den Vorstandsvorsitzenden von Badenova hat das gestern ins Leben gerufene „I-Nova“-Netz gerade für die Energiewende und die digitale Infrastruktur Pilotcharakter über die Stadt hinaus. Die Technologie wurde schon im Militärbereich verwendet, wie Projektleiterin Lea Treick erklärt. Seit Oktober 2017 arbeitet sie zusammen mit Philipp Schandelmaier bei Badenova am Thema der durch das neue System vernetzten Stadt.

Dafür installieren sie derzeit 20 Basisstationen zum Stückpreis von 1000 Euro, sogenannte Gateways, im ganzen Stadtgebiet, etwa auf Kaminen von Heizkraftwerken oder bei ihrer Verbundwarte.

Diese auch als Konzentratoren bezeichneten Geräte sammeln Daten aus ihrer Umgebung per Funk ein und geben sie dann verschlüsselt an einen zentralen Server weiter, wo sie ausgelesen werden.

Mithilfe der Technik will die kommunale Badenova AG im ersten Schritt die Freiburger Abwassersysteme überwachen. Dafür werden laut Schandelmaier in den Kanalschächten Sensoren angebracht, die zum Beispiel Wassermenge, Druck, Fließgeschwindigkeit und Temperatur messen und per Funk an den nächsten Gateway senden. „Das erspart uns im Kanalnetz künftig zwei Abwasserspezialisten, die oberirdisch eine Baustelle absperren müssen, um in den Schacht hinunterzusteigen und die Daten zu ermitteln“, betont Radensleben.

Mittelfristig will Badenova die Technik auch für Heizkostenverteiler undWasserzähler nutzen. Die hier gesammelten Daten sollen die Betriebskostenabrechnung für Vermieter vereinfachen. „Die übliche Zählermessung mit der Taschenlampe im Keller gehört künftig der Vergangenheit an“, sagt Dieter Salomon. Der Oberbürgermeister sieht in der Smart City viele Vorteile.

So sei vorstellbar, dass die „Abfallwirtschaft und Stadtreinigung GmbH“ mit dieser Technik die Leerung von Mülltonnen oder Glascontainer effizienter organisiert. Die Situation auf Parkplätzen, zum Beispiel beim neuen SC-Stadion und an der Messe, ließe sich dadurch verbessern. Auch die Idee der virtuellen Zäune (Geofencing), die unbefugten Zutritt auf Baustellen oder Veranstaltungen melden, gefällt dem OB. Neben den eher industriellen Anwendungen mit hoher Sicherheitsstufe wird die Technik in Freiburg unabhängig davon auch privat genutzt.

Die Community „The Things Network“ setzt sich für die Vernetzung aller digitalisierten Dinge und den Ausbau des Bürger-Sensor-Funknetzes ein. Zehn Gateways hat die Initiative bereits in der Stadt aufgestellt. Damit können Interessierte die Daten von ihren angebrachten Sensoren über das Netzwerk übertragen. Darunter sind laut Initiator Sebastian Müller unter anderem Menschen, die an Wetterstationen basteln, Feinstaub an ihrer Straße und die Feuchtigkeit ihres Blumenkastens messen oder ihre Bienenstöcke überwachen. Auch einige Institute und Unternehmen haben bereits ihr Interesse an der Smart City angekündigt. Leihräder

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