Mit neuen Füßen nach Kanada

18.04.2018 Mittelbadische Presse

Im Juni will die Forschergruppe um den Fußball-Roboter »Sweaty« der Hochschule Offenburg seinen zweiten Platz bei der Weltmeisterschaft in Montreal verteidigen. Gestern erläuterte Projektleiter Ulrich Hochberg, mit welchen Neuerungen »Sweaty« an den Start geht.

VON MATTHIAS JUNDT Offenburg. Beim Duell an der Torwand wurde »Sweaty «, der Fußball-Roboter der Hochschule Offenburg, gestern Zweiter. Er musste sich lediglich den punktgleichen Siegern, Winfried Lieber, Rektor der Hochschule, und Baubürgermeister Oliver Martini, geschlagen geben. Den zweiten Rang erreichte »Sweaty« auch beim »Robocup«, der Fußball- Weltmeisterschaft der Roboter, im vergangenen Jahr. Der Vizetitel ist auch das erklärte Ziel für die kommende WM im kanadischen Montreal im Juni. Das sagte Ulrich Hochberg, Professor an der Hochschule und verantwortlich für die Weiterentwicklung »Sweatys «, gestern bei der Saisoneröffnung.

Fußball, stellte Hochberg klar, sei aber nur ein Weg, um die Forschung in Sachen Robter voranzutreiben: »In 20 bis 30 Jahren kann es möglich sein, dass Roboter beispielsweise unsere Hemden bügeln oder den Geschirrspüler einräumen. « Derzeit arbeitet die Hochschule an einer Fußorthese. Diese soll Menschen, die das Fußgelenk nicht mehr richtig beugen und strecken können, genau das wieder ermöglichen. Den mit 170 000 Euro dotierten Forschungsauftrag hat die Hochschule vom Bundeswirtschaftsministerium erhalten. »Ziel ist es, innerhalb der kommenden zwei Jahre einen Prototyp zu entwickeln«, erläuterte Hochberg.

»Sweaty« hat bereits ein neues Fußgelenk und einen neuen Fuß. Diese Neuerung, an der die Entwickler in der Winterpause gearbeitet haben, soll dem Fußball-Roboter einen sichereren Stand und schnellere und geschmeidigere Bewegungen ermöglichen. »Sweaty« kann nun die Zehen knicken und die Füße abrollen. Eine Weiterentwicklung war auch nötig, will man mit der Konkurrenz Schritt halten. »Unsere härtesten Gegner sind die Uni Bonn mit ›NimbRo‹, die Uni Seoul aus Korea mit ›HEROHS‹ und die Chinesen aus Peking mit ›Tsinghua Haphaestus‹« sagte Hochberg.

Bevor es vom 17. bis 22. Juni zur Weltmeisterschaft nach Nordamerika geht, tritt »Sweaty « beim »Science Slam« der Stadt Offenburg am 17. Mai auf. »Dort soll der Roboter dann den sogenannten Bechertrick, den wohl ältesten Trick der Welt, aufführen«, sagte Hochberg.

Neben dem humanoiden Roboter »Sweaty«, präsentierte sich auch das Team »Magma Offenburg« vor der neuen Saison. Die Forschergruppe um Professor Klaus Dorer ist spezialisiert im Bereich der 3-DFußball- Simulation. Die Spiele finden also virtuell statt und werden am Bildschirm verfolgt. »Magma« ist amtierender Europameister und versucht seinen Titel vom 25. bis 29. April im portugiesischen Lissabon zu verteidigen. »Bei der WM in Montreal wollen wir dann unseren zweiten Platz aus dem Vorjahr wiederholen «, sagte Dorer. Für den ersten Rang sei der Abstand zur Konkurrenz momentan noch zu groß.

Neben der Forschung gehe es bei »Sweaty« und »Magmar « aber auch um die Außendarstellung der Hochschule Offenburg, betonte Rektor Lieber. Und, so wie bei allen Sportmannschaften, auch um die Repräsentation der Stadt Offenburg, wie Oberbürgermeisterin Edith Schreiner ergänzte: »Deshalb darf sich ›Sweaty‹ im Falle eines Sieges natürlich auch in das goldene Buch der Stadt eintragen.« Und da der Roboter Fingerfertigkeiten im Rahmen des Zaubertricks erlernt, dürfte diesem Vorhaben nichts mehr im Wege stehen.

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